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Der zahnlose Kiefer und die Totalprothese

Eine Prothese saugt sich durch ein Vakuum im Mund fest (wie zwei Glasplatte aneinander)Wenn nun überhaupt keine Zähne mehr da sind, wird es schwierig, denn ein zahnloser Kiefer bietet dem Zahnarzt wenig Möglichkeiten, eine Prothese zu verankern. Kurz nachdem die letzten Zähne gezogen worden sind, geht es noch einigermaßen; der Kiefer hat noch eine recht günstige Form. Der Zahnarzt macht einen Abdruck vom Kiefer und fertigt damit ein Gipsmodell an, das eine genaue Kopie der Situation im Mund darstellt. Auf dem Modell wird anschließend die Prothese hergestellt. Nach ein bis zwei Zwischenanproben kann die fertige Prothese eingesetzt werden, und es wird sich in den folgenden Tagen herausstellen, ob und wie gut sie hält und wie der Patient damit zurechtkommt.

Aber wodurch kann eine Totalprothese denn überhaupt halten, wo sie doch weder festgeklebt noch geschraubt ist?

Sie können das Prinzip ganz einfach zu Hause nachvollziehen, indem Sie zwei gleich große Glasplatten nehmen und aufeinander legen, nachdem die eine mit Wasser angefeuchtet worden ist. Wenn wir jetzt die oberste Platte hochheben, bleibt die untere daran kleben. Wenn die Glasplatten trocken wären, käme Luft dazwischen und die untere bliebe liegen. Da aber das Wasser den Spalt zwischen den beiden Glasplatten ausfüllt, kann keine Luft dazwischen kommen und der Luftdruck der Umgebung sorgt dafür, dass die untere Platte an der oberen hängen bleibt.

Der Vorgang ist auch mit einem Saugnapf, der an einer glatten Oberfläche haftet oder mit einem Untersetzer, der am feuchten Glas kleben bleibt, vergleichbar.

Durch dieses Prinzip kann eine gut sitzende Prothese im Oberkiefer hängen bleiben, obwohl sie eigentlich durch die Schwerkraft herunterfallen müsste. Die besondere Betonung liegt dabei aber auf gutsitzend. Wenn eine Prothese am Rand nicht einwandfrei passt (abgedichtet ist), kann Luft darunter kommen und sie fällt herunter. Versuchen Sie mal, den Saugnapf auf einem rauen Untergrund anzubringen oder ein Loch in eine der beiden Glasplatten zu bohren. Auch dabei entsteht ein "Luftleck", und das Ganze funktioniert nicht mehr.

Eine Totalprothese im Unterkiefer sitzt Häufig weniger fest als Patient und Zahnarzt sich dies wünschen.Das Saugen der Prothese im Oberkiefer ist meistens noch gut zu erreichen. Sehen wir uns die Form des Oberkiefers an, können wir ihn uns fast als eine runde Platte vorstellen. Der Gaumen ("Himmel") ist relativ hart, da sich darunter Knochen befindet, und unbeweglich. Nur ganz hinten ist der Gaumen weich und beweglich. Bis dahin darf die Prothese also nicht reichen, da sie sonst durch die Bewegung herausgehebelt würde. Da der Zahnarzt die Ränder ringsum meistens gut abschließend gestalten kann, kann im Oberkiefer in der Mehrzahl der Fälle eine gut haltende Prothese angefertigt werden.

Es ist fast immer der Unterkiefer, der sowohl Patient als auch Zahnarzt vor größere Schwierigkeiten stellt. Hier finden wir leider keinen festen Gaumen sondern einen beweglichen Mundboden und die Zunge vor. Da die Zunge ausgespart werden muss, hat die Unterkieferprothese die Form eines "U" und allerlei Muskeln versuchen, die Prothese von ihrem Platz zu hebeln. Im Oberkiefer befinden sich nur an der Außenseite, also in Wange und Lippe, Muskeln, im Unterkiefer dagegen machen uns sowohl Muskeln an der Außenseite (Wange und Lippe) als auch zusätzlich an der Innenseite (Mundboden und Zunge) das Leben schwer. Vor allen Dingen die sehr bewegliche Zunge sorgt für Schwierigkeiten beim Essen, Sprechen und Schlucken.

Der Zahnarzt wird einerseits versuchen, die Prothese so weit wie möglich auszudehnen, um maximalen Halt zu erreichen. Andererseits dürfen die Ränder aber auch nicht zu lang sein, um zu verhindern, dass die Prothese durch die Muskulatur von ihrem Platz gedrückt wird. Alles in allem bedeutet das, dass eine Prothese im Unterkiefer häufig nur einen Kompromiss darstellt und fast nie so gut sitzen wird wie eine Prothese im Oberkiefer.

  • Das Anfertigen einer gut sitzenden Prothese stellt im Oberkiefer meistens kein Problem dar.
  • Eine Totalprothese im Unterkiefer sitzt fast immer schlechter als eine im Oberkiefer.

Kommentar von Frau H.N. aus N.
"Mit meiner unteren Prothese hatte ich sehr große Schwierigkeiten. Vor sechs Jahren sind die letzten zwei Zähne gezogen worden. Bis dahin ging es mit der Unterkieferprothese eigentlich noch ganz gut. Aber dann konnten die Zähne nicht mehr länger erhalten werden, und ich bekam eine Totalprothese. Im Oberkiefer habe ich schon seit zwölf Jahren eine Totalprothese, an die ich mich eigentlich auch problemlos gewöhnt habe. So habe ich dann auch im Unterkiefer keine Schwierigkeiten erwartet. Es kam dann ganz anders. Von Anfang an gab es nur Probleme. Ich hatte Schmerzen, eine Druckstelle nach der anderen, die Prothese saß nicht fest, ich konnte damit überhaupt nicht essen und beim Sprechen und Lachen habe ich sie ein paar Mal fast verloren. Schließlich habe ich mich fast nicht mehr getraut, richtig zu lachen und konnte nur noch weiche, kleingemachte Speisen zu mir nehmen. Der Zahnarzt hat alles mögliche versucht und innerhalb der ersten vier Jahre drei neue Prothesen gemacht.

Vor zwei Jahren hat mir eine Freundin dann einen Zeitungsausschnitt über Implantate gegeben. Damit bin ich dann wieder zu meinem Zahnarzt gegangen, um zu fragen, ob das etwas für mich sein könnte. Er hat mich dann zu einem Kollegen überwiesen, weil er selbst nicht implantiert. Der Kollege hat mir zwei Implantate in den Unterkiefer gesetzt. Seither sitzt die Prothese wieder prima fest und ich kann wieder alles tun, ohne dass ich Angst haben muss, die Prothese zu verlieren. Ich kann jetzt auch wieder harte Sachen essen. Beim Kauen kann ich mehr Kraft ausüben, weil die Prothese sich nicht mehr im Mund bewegt."

Diese Geschichte ist sehr typisch für viele Patienten mit einer Totalprothese.
 

Das Schrumpfen des zahnlosen Kiefers

Der Aufbau des UnterkiefersWie kommt es, das ein Kiefer nach dem Ziehen der Zähne schrumpft? Der Unterkiefer besteht aus drei Teilen:

  • Corpus mandibulae (der unterste, horizontale Teil)
  • Ramus mandibulae (der sogenannte aufsteigende Ast, der Teil, der zum Kiefergelenk führt)
  • Processus alveolaris (der zahntragende Teil des Kiefers)

Uns geht es jetzt vor allem um den letzten Teil, den Processus alveolaris. Die Aufgabe des Processus alveolaris ist es, den Zähnen im Kiefer Halt zu geben. In dem Moment, wo die Zähne gezogen werden, bleiben im Knochen Löcher zurück, die Alveolen, in denen die Zahnwurzeln gesteckt haben. Nach dem Ziehen der Zähne wird der Processus alveolaris des Kiefers funktionslos. Er reagiert dann ganz ähnlich wie zum Beispiel die Muskeln eines gebrochenen und eingegipsten Beines. Der Gips liegt erst straff an und wird im Laufe der folgenden Wochen immer lockerer. Wenn er dann schließlich entfernt wird, stellt man fest, dass das ehemals kranke Bein viel dünner ist als das gesunde. Der Körper hat die Muskeln des eingegipsten Beines nicht gebraucht und hat sie also abgebaut.

Nach dem Verheilen der Alveolen ist der Kiefer zunächst hoch und breit.Genau das gleiche läuft auch im Kiefer ab. Nach dem Entfernen der Zähne heilt der Knochen ab und formt zunächst einen hohen breiten Kiefer. Auf einem solchen Kiefer ist es noch recht einfach, eine gute Prothese anzufertigen.

Allerdings hat der Knochen seine ursprüngliche Funktion, die Zähne zu halten, verloren und wird daher vom Körper langsam abgebaut, resorbiert. Der Kiefer schrumpft und wird immer kleiner.

Eine Prothese anzupassen ist nun extrem schwierig geworden. Sie kann eigentlich nicht mehr halten und man muss zufrieden sein, wenn sie wenigstens einigermaßen stabil liegen bleibt und nicht im Mund umher "schwimmt". Leider treten häufig Druckstellen auf, obwohl der Kiefer keine scharfe Kante mehr hat. Die Prothese passt nämlich nur in einer Position wirklich gut. Durch ihren mangelnden Halt verschiebt sie sich jedoch sehr leicht, passt dann nicht mehr optimal und verursacht dadurch Druckstellen.

Manche Prothesen sind fast nicht im Mund zu halten.Unglücklicherweise hört das Schrumpfen des Kiefers immer noch nicht auf. Es wird sogar ein Teil des Corpus mandibulae resorbiert. Der Unterkiefer verschwindet natürlich nicht ganz, da das Corpus noch eine Funktion hat, dort sind nämlich eine ganze Reihe von Muskeln aus der Zunge, von Mundboden, Wangen und Lippen befestigt. Das Schrumpfen des Kiefers kann aber so weit gehen, dass nur noch diese Befestigungspunkte bestehen bleiben. Zudem kann es passieren, dass der Nerv, der durch den Unterkiefer läuft, frei liegt, was starke Beschwerden verursacht. In dieser Phase ist der Unterkiefer im Mund nur noch tastbar und nicht mehr sichtbar. Die Prothese hält nun natürlich überhaupt nicht mehr und die Patienten sind gezwungen, mit Zunge und Lippen zu jonglieren, um sie im Mund halten zu können. Das verursacht beim Patienten oft ein so unsicheres Gefühl, dass er sich nicht mehr traut, in der Öffentlichkeit etwas zu essen aus Angst, dass die Prothese ihm aus dem Mund fallen könnte.

  • Ober- und Unterkiefer werden unterschiedlich schnell resorbiert, der Unterkiefer normalerweise viel stärker als der Oberkiefer.
  • Die fortschreitende Resorption des Kiefers lässt das Anfertigen einer guten, funktionstüchtigen Prothese besonders im Unterkiefer immer schwieriger werden.

So sieht sich nahezu jeder Patient früher oder später mit der Tatsache konfrontiert, dass bei ihm keine gute funktionstüchtige Totalprothese mehr hergestellt werden kann. Natürlich ist dieser Zustand für den Patienten sehr unbefriedigend. Schildert er seinem Zahnarzt die Lage, bekommt er in der Regel zu hören: "Das liegt an Ihrem kleinen Kiefer. Daran kann ich nichts ändern. Sie müssen sich damit abfinden und damit leben lernen."

Heutzutage muss sich aber kein Patient mehr mit dieser Auskunft zufrieden geben.

Gerade für den zahnlosen Unterkiefer stellt die moderne Implantologie eine aussichtsreiche Möglichkeit dar, die meisten schwierigen, eigentlich schon aufgegebenen Fälle nicht sitzender Prothesen doch noch zufriedenstellend lösen zu können. Wie das geht, bei wem es möglich und bei wem es nicht möglich ist, wird im Folgenden ausführlich behandelt.

  • Die Resorption des Kiefers geht anfänglich sehr schnell, später dann immer langsamer.
  • Je kleiner der Kiefer geworden ist, umso größer werden die Probleme beim Anfertigen einer Prothese.
  • Implantate können jedoch viele dieser Probleme lösen.

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