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Mundhygiene und Nachkontrollen

Perfekte Mundhygiene bei ZahnimplantatenDie Bedeutung von Mundhygiene und regelmäßigen Kontrolluntersuchungen ist so groß, dass wir ihnen ein eigenes Kapitel widmen müssen. Von dem Moment, wo die Implantate im Mund sichtbar sind, müssen sie auch geputzt werden. Bei einphasigen Implantaten heißt das also direkt nach der Operation. Zweiphasenimplantate können erst nach dem Freilegen geputzt werden.

Ein Implantat ist ein Fremdkörper, der eigentlich nicht in den menschlichen Organismus gehört. Das hat es gemeinsam mit einer Reihe anderer Dinge wie Herzschrittmacher, Kunsthüften usw., Elementen also, die von Natur aus nicht den Körper gehören, von diesem unter bestimmten Umständen aber doch toleriert werden.

Zahnwurzelimplantate nehmen allerdings innerhalb dieser Reihe eine Sonderposition ein. Alle anderen oben genannten Gegenstände sind im Körper eingeschlossen und damit steril. Das Infektionsrisiko ist also gering. Bei zahnmedizinischen Implantaten verhält sich die Sache ganz anders, da sie nicht nur im Körper liegen, sondern eine Verbindung zur Außenwelt (Mundhöhle) haben. Erschwerend kommt noch hinzu, dass sie sich im Mund ausgerechnet in dem am meisten mit Bakterien besiedelten und unsaubersten Körperteil befinden. Als ob es damit noch nicht genug wäre, sind sie im Mund auch noch einem ständigen Temperaturwechsel zwischen heiß und kalt sowie großen Kräften beim Essen (beim Kauen können Kräfte von bis zu 90 Kilogramm auftreten) ausgesetzt. Das Zahnfleisch über den Implantaten ist offen, was einer kleinen Wunde gleichkommt. Die Implantate sind also einer sehr feindlichen Umgebung ausgesetzt, und trotzdem erwarten wir von ihnen, dass sie einwandfrei funktionieren.
Solange die Situation unverändert und die Suprakonstruktion in Ordnung befindet sich alles im Gleichgewicht, und damit scheint alles bestens zu sein. Dieses Gleichgewicht kann leicht durch vielerlei Ursachen gestört werden.

  • Um eine möglichst lange und optimale Funktion der Implantate zu gewährleisten, ist eine perfekte Mundhygiene unabdingbare Voraussetzung.
  • Regelmäßige Zahnarztbesuche (2x / Jahr) müssen stattfinden, um eventuelle Probleme frühzeitig erkennen und behandeln zu können.

Wie sieht eine gute Mundhygiene aus?
Im Prinzip ist jede Methode, die die Implantate und das umgebende Zahnfleisch gut sauber hält, ohne etwas zu beschädigen, geeignet. Alles, was der Zahnarzt nämlich verlangt ist, dass die gesamte Konstruktion sauber ist. Dazu stehen verschiedene Hilfsmittel zur Verfügung. Wir werden sie hier kurz vorstellen:

- Die Zahnbürste
Sie ist immer noch DAS Standardhilfsmittel zur Zahnpflege. Mit ihr können wir große Teile des Gebisses und auch die Implantate reinigen.
Vor allem die Kauflächen und die Außen- und Innenseiten der Zähne und der Implantate lassen sich damit gut reinigen. Zwischen den Zähnen und unter den Implantatkonstruktionen ist der Reinigungseffekt nicht ganz befriedigend. Trotzdem ist die Zahnbürste das Mittel der ersten Wahl:

Benutzen Sie die Zahnbürste in jedem Fall, aber vertrauen Sie nicht ausschließlich darauf.

Die beste Zahnbürste ist eine mit einem kurzen Kopf und weichen Borsten. Eine Zahnbürste mit harten Borsten macht auch nicht besser sauber, birgt aber die Gefahr, das Zahnfleisch zu verletzten.

- Zahnpasta
Zahnpasta hat hauptsächlich die Funktion eines Scheuermittels, um die Reinigung zu unterstützen. Zusätzlich enthält sie Geschmacks- und Geruchsstoffe für frischen Atem und meistens auch Fluorid, um den Zahnschmelz weniger anfällig für Karies zu machen.
Wenn keine eigenen Zähne mehr vorhanden sind, ist der Gebrauch einer fluoridhaltigen Zahnpasta natürlich nicht nötig. Es gibt sogar Untersuchungen, die belegen sollen, dass Fluoride auf Implantate negative Auswirkungen haben. Sind aber neben den Implantaten noch eigene Zähne vorhanden, so ist zu deren Schutz der Gebrauch einer Fluorzahnpasta doch zu empfehlen.
Für Implantate empfehlen wir unseren Patienten meistens eine Zahnpasta, die einen nicht zu hohen Anteil an abrasiven Stoffen (Scheuermitteln) enthält (fragen Sie Ihren Zahnarzt danach) und einen angenehmen Geschmack hat. Fabrikate, die damit werben, dass sie die Zähne weißer machen, enthalten sehr aggressive Scheuermittel und sollten bei Implantaten nicht zur Anwendung kommen.
Im Grunde ist das Putzen selbst viel wichtiger als der zusätzliche Scheuereffekt der Zahnpasta. Ein frischer, angenehmer Geschmack ist vielen Patienten aber wichtig wegen des guten Atems, und schließlich putzt man auch lieber, wenn man eine Zahnpasta benutzt, die gut schmeckt.

Elektrische Zahnbürste- Die elektrische Zahnbürste
Hierfür gilt eigentlich das gleiche wie für die normale Zahnbürste. Sie ist unverzichtbar, reicht aber allein nicht aus, da sie nicht in alle Ecken kommt.
Auch bei einer elektrischen Zahnbürste sollte wieder ein weicher Bürstenkopf gewählt werden.

Womit können dann aber beim Putzen wohl die letzten Ecken und hintersten Winkel erreicht werden? Ein sehr wichtiges Hilfsmittel ist:

- die Interdentalbürste
Dieses Bürstchen hat eine ganz spezielle Form, um in den Zahnzwischenräumen reinigen zu können. Auf den ersten Blick erinnert es ein bisschen an eine Flaschenbürste im Miniformat.
Es gibt Interdentalbürstchen in verschiedenen Ausführungen, unterschiedlichen Größen und Formen und mit verschiedenen Stielen.
Am einfachsten anzuwenden und auch am effektivsten sind konische (tannenbaumförmige) Bürstchen mit einem Halter. Sie sind für Interdentalräume verschiedenster Formate geeignet, zum Putzen werden sie einfach ein paar Mal in den Zwischenräumen hin und her bewegt.
InterdentalbürsteDie zylindrisch geformten Bürstchen können im Gegensatz zu den konischen zu klein (dünn) sein und haben dann einen nicht so guten Reinigungseffekt.
Die kleine, gerade Form, die einem Pinselchen ähnelt, ist für Implantate ungeeignet, da sie nicht gut reinigt.

Mit der Kombination Zahnbürste plus Interdentalbürstchen sind die meisten Implantate schon perfekt zu putzen.

- Zahnseide und Superfloss
Ein gutes Hilfsmittel, um das Implantat kurz oberhalb des Zahnfleischsaums sauber zu halten. Die Anwendung ist allerdings nicht so ganz einfach, da die Zahnseide (beim Superfloss das verstärkte Ende) unter Brücke oder Steg hindurch gefädelt werden muss, um dann dort putzen zu können.
Implantate, die nicht miteinander verbunden sind (Magnete oder Druck knöpfe) können aber mit Superfloss hervorragend sauber gehalten werden.
Statt Zahnseide kann auch ein Streife Verbandgaze zur Reinigung benutzt werden. Verband reinigt großflächiger und ist, weil es dicker ist, für viele ältere Patienten einfacher in der Handhabung als das dünnere Zahnseide.

- Munddusche
Die Munddusche kann nur größere, lose Speisereste entfernen und das Zahnfleisch massieren. Wirklich sauber werden aber Implantat und Suprakonstruktion damit nicht, da Zahnbelag klebrig ist und nur mechanisch "weg geschrubbt" werden kann.
Die Munddusche ist also sicherlich kein Ersatz für eine Zahnbürste. Wer noch keine Munddusche besitzt, der braucht sich daher auch nicht extra eine anzuschaffen.

- Mundspüllösungen
Kurz nach der Operation kann das Spülen mit einem desinfizierenden Mittel angezeigt sein, um Entzündungen zu verhindern. Entzündungen, die später auftreten, sind fast immer die Folge ungenügender Mundhygiene und müssen auch entsprechend bekämpft werden, das heißt, besser und eventuell häufiger putzen.
Der permanente Gebrauch einer Mundspülung ist nicht anzuraten, weil dadurch das gesunde Gleichgewicht der in der Mundhöhle anwesenden Bakterien gestört wird, was seinerseits zu Problemen führen kann.

Implantat-Zahnbürste- Implantatzahnbürste
Einige Wissenschaftler haben eine spezielle Zahnbürste für Implantate vorgeschlagen. Damit kann besonders die Zungenseite der Unterkieferfront gut geputzt werden.
Leider ist diese Bürste bis jetzt nicht im Handel erhältlich. Ein geschickter Bastler oder der Zahnarzt kann sie jedoch innerhalb von zehn Minuten selbst herstellen. Der Bürstenkopf wird dazu abgesägt und dann, um 90° gedreht, mit Kleber wieder am Stiel befestigt. Abschließend wird der Stiel erwärmt und so gebogen, dass die Borsten praktisch nach hinten weisen.
Diese Zahnbürste ist vor allem zahnlosen Patienten zu empfehlen, die Probleme haben, die Zungenseite der Implantate und der Suprakonstruktion zu putzen. Sie ist stabiler als Interdentalbürstchen und für viele Patienten auch wesentlich einfacher in der Handhabung.

- Plaquefärbetabletten
Den Putzerfolg können Sie selbst mit Hilfe von Färbetabletten, die in der Apotheke erhältlich sind, überprüfen. Durch das Anfärben werden noch verbliebene Reste von Zahnbelag rosa oder blau sichtbar.

- Die Reinigung der Prothese
Das Sauberhalten der Prothese ist mindestens ebenso wichtig wie das Putzen der Implantate. Zum Reinigen der Prothese bietet der Handel eine Menge unterschiedlicher Produkte an, die uns die Arbeit des Protheseputzens erleichtern, wenn nicht gar abnehmen sollen. Ein allen gemeinsamer Nachteil ist, dass sie mit Hilfe aggressiver chemischer Substanzen reinigen. Diese Stoffe können sich an der Die Prothese gut zu reinigen, ist sehr wichtig Prothese festsetzen und später im Mund wieder frei werden. Bei einigen Patienten führt das zu Reizungen der Mundschleimhaut. Die beste Methode, die Prothese zu reinigen, ist noch immer die Zahnbürste (eine, die speziell für die Prothese reserviert ist) oder eine Nagelbürste und unparfümierte Seife.

Manche Patienten haben sehr mit Zahnstein zu kämpfen. Dieser lässt sich ganz einfach entfernen, indem man die Prothese eine Nacht in normalen Haushaltsessig legt. Der Zahnstein wird dadurch angelöst und kann am nächsten Morgen leicht entfernt werden.
Der Zustand des Zahnfleisches sagt viel über die Qualität der Mundhygiene aus. Gesundes Zahnfleisch ist hellrosa und liegt straff an den Implantaten an. Entzündetes Zahnfleisch ist rot, geschwollen und blutet beim Putzen leicht. Bluten und/ oder Schmerzen sind Zeichen für eine Zahnfleischentzündung.

ABER ACHTUNG! Sie dürfen deshalb nicht vor lauter Schreck weniger oder gar nicht putzen. Dadurch verschlimmert sich die ganze Situation noch, da sich immer mehr Plaque ansammelt und die Entzündung weiterhin unterhalten wird, wodurch es noch leichter blutet, mit dem Ergebnis, dass noch weniger geputzt wird usw. Dieser Teufelskreis hat letztendlich den Verlust des Implantates zur Folge. Nur indem wir das Implantat perfekt reinigen, können wir diesen Kreis unterbrechen. Sauberes Zahnfleisch kann sich nicht entzünden. In den ersten Tagen wird es beim Putzen noch bluten; das lässt aber binnen weniger Tage nach. Im Falle von Zweifeln oder wenn keine Besserung eintritt, sollten Sie aber auf jeden Fall den Zahnarzt aufsuchen. Er kann das Implantat professionell reinigen, eventuell Zahnstein entfernen und die Putztechnik überprüfen und gegebenenfalls verbessern. Das regelmäßige Zahnsteinentfernen, um Zahnfleischentzündungen vorzubeugen, ist auch einer der Gründe, weshalb regelmäßige Kontrollen der Implantate (mindestens halbjährlich) so wichtig sind.
Viele Patienten haben am Anfang Angst, sie könnten durch Putzen etwas an den Implantaten beschädigen. In der Hinsicht können Sie aber ganz beruhigt sein; durch den Gebrauch von Zahnbürste und Co. können Sie ganz sicher nichts zerstören. Und das Zahnfleisch rund um die Implantate meldet sich schon von allein, wenn Sie zu kräftig bürsten.

  • Haben Sie keine Angst, beim Putzen etwas zu beschädigen. Gründlich putzen ist das A und 0 bei Implantaten.
  • Benutzen Sie zumindest eine weiche Zahnbürste plus Interdentalbürstchen.
  • Es ist besser zwei Mal am Tag gründlich zu putzen als zwanzig Mal oberflächlich.
  • Bei Problemen den Zahnarzt aufsuchen.

Worauf muss ein Patient, der Implantate hat, noch achten?
Implantate haben kein Gefühl. Natürliche Zähne werden durch das Gefühl (= Schmerz) vor zu hohen Kräften beim Kauen geschützt. Wird zu hart zugebissen, schmerzt der Zahn, und man wird nicht weiter zubeißen. Implantate verfügen nicht über ein solches Alarmsystem und können dadurch überbelastet werden, ohne dass der Patient es merkt. Eine solche Überbelastung droht vor allem durch sogenannte Parafunktionen. Dazu gehören Angewohnheiten wie Nägelkauen, auf Bleistiften herum beißen sowie Knirschen und Pressen mit den Zähnen. Knirschen und Pressen treten überwiegend nachts auf, und der Patient ist sich dessen oft gar nicht bewusst. Es ist jedoch sehr wichtig, diese Angewohnheiten abzustellen, da sie im anderen Fall zum Verlust der Implantate führen können. Das ist leichter gesagt als getan, da diese Art Angewohnheiten meistens unterbewusst passieren und oft ein Anzeichen nervlicher Anspannung (Stress) sind und der Zahnarzt nur wenig Einfluss nehmen kann. Allerdings kann der Zahnarzt an Hand bestimmter Merkmale feststellen, ob ein Patient knirscht und entsprechende Gegenmaßnahmen treffen, um die Folgen zu vermindern. Ebenso kann der Patient selbst einiges tun, oder besser lassen, um Probleme zu vermeiden:

  • Sie können selbstverständlich normal essen. Vermeiden Sie aber langes Kauen auf zähen und harten Dingen wie Kaugummi, Nüsse etc.
  • Versuchen Sie sich tagsüber zu kontrollieren, ob Sie zum Beispiel bei der Arbeit die Zähne aufeinander pressen.
  • Hat der Patient Implantate unter einer Prothese, so MUSS die Prothese nachts herausgenommen werden.

Vor allem das letztere ist natürlich für viele Patienten sehr unangenehm, aber durch das Herausnehmen von zumindest einer von zwei Prothesen (Ober- oder Unterkiefer) kann eine Überbelastung der Implantate sehr effektiv verhindert werden, da Knirschen ja dann nicht mehr möglich ist. Daneben ist es auch gesund für die Mundschleimhaut. Schleimhäute müssen von Speichel umspült sein und "atmen" können, aber nicht unter einer Prothese versteckt sein . Das Herausnehmen der Prothese nachts ist darum in jedem Fall empfehlenswert.

  • Überbelastung der Implantaten sollte immer vermieden werden durch bewusstes Kauen, regelmäßige Kontrollen und durch gegebenenfalls eine der Prothesen nachts nicht zu tragen.



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