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Die verschiedenen Implantatformen

Schon die Ägypter kannten ImplantateEin Implantat ist nichts anderes als eine künstliche Zahnwurzel, die in den Kiefer eingepflanzt wird und auf der der Zahnarzt eine Brücke oder Prothese befestigen kann. Die Idee des Implantierens ist nicht neu. Schon die Inkas und Ägypter haben vor Tausenden von Jahren versucht, aus Schalen von Tieren, aus Granit oder Elfenbein künstliche Zähne herzustellen und in den Kiefer zu implantieren. Wir wissen, dass ihnen dies sogar manchmal geglückt ist. Unsere heutigen Implantate bestehen allerdings aus anderen Materialien. Das Material spielt eine sehr wichtige Rolle. Vor allem darf es für den menschlichen Körper nicht schädlich sein (es muss gewebefreundlich sein, in der Fachsprache biokompatibel) und über ausreichende Festigkeit verfügen, um den Kräften, denen es später beim Gebrauch ausgesetzt sein wird, standhalten zu können.

Im Laufe der Jahre ist mit den verschiedensten Materialien experimentiert worden. Es gab Implantate aus Metall, Keramik und aus Kunststoff. Aus Gründen der Stabilität bestehen die meisten Implantate gegenwärtig aus Metall, überwiegend Titan, das eine speziell gestaltete raue Oberfläche aus dem gleichen oder einem anderen Material hat, um das Einwachsen im Knochen zu erleichtern.
Verschiedene Firmen bieten Implantatsysteme, also Implantate und die dazugehörigen Hilfsteile für Operation und Suprakonstruktion an. Sie unterscheiden sich in Material, Form, Operationstechnik und der Technik der Herstellung von Brücken und Prothesen. Jedes System geht von einem eigenen Basiskonzept beziehungsweiseeiner Basisphilosophie aus und hat seine Berechtigung bei der Behandlung von Patienten mit bestimmten Problemstellungen.
Ganz grob lassen sich die Implantate in drei Gruppen unterteilen, die im folgenden vorgestellt werden.
 

Verschiedene ImplantatsystemeEnossale Implantate
Die momentan meistens gebrauchten modernen Implantate gehören zum enossalen, permucosalen Typ. Das bedeutet, dass sie, genau wie echte Zahnwurzeln, im Knochen stecken und dass sie, genau wie echte Zähne, durch das Zahnfleisch hindurch in die Mundhöhle ragen, wo sie als Pfeiler für eine Brücke oder zur Unterstützung einer Prothese benutzt werden können.
Innerhalb dieser Implantatgruppe gibt es die verschiedensten Formen, so zum Beispiel Platten, Schrauben, zylindrische und konische Formen.
Das Setzen dieser Implantate kann auf zwei verschiedene Arten geschehen. Die nächstliegende Methode ist, unter lokaler Betäubung das Zahnfleisch aufzuklappen, so dass das Implantat in den Knochen gesetzt werden kann. Nach der Operation wird das Zahnfleisch entweder über dem Implantat vernäht, damit dieses drei bis sechs Monate in Ruhe einheilen kann, das Implantat kann aber auch schon direkt nach dem Eingriff im Mund sichtbar sein (je nach Typ des verwendeten Implantats).
Es gibt noch ein zweites Verfahren, bei  dem die Implantate unter Vollnarkose von unten her in den Kiefer gesetzt werden. Dafür wird der Kiefer von der Unterseite des Kinns aus freigelegt und von dort aus durchbohrt.
Mit einer Querplatte und Schrauben wird das Implantat noch zusätzlich versteift. Beide Methoden haben ihre Vor- und Nachteile. Die erste Methode ist wesentlich einfacher, die zweite ist aufwändiger, dafür kann aber auch noch in sehr dünne, kleine Kiefer implantiert werden.

Immediatimplantate werden direkt nach dem Zahnziehen eingepflanztSofortimplantate
Implantate, die sofort im Anschluss an das Ziehen eines Zahnes gesetzt werden und über dem Zahnfleisch sichtbar sind, werden Immmediat- oder Sofort-implantate genannt. Sie sind vor allem in der Oberkieferfront angezeigt, um Zähne zu ersetzen, die zum Beispiel durch einen Schlag oder Sturz verloren gegangen sind.

  • Der modernste Implantattyp sind derzeit enossale, permucosale Implantate. Sie werden in den Knochen gesetzt und sind nach der Einheilungsphase über dem Zahnfleisch im Mund sichtbar.

Unterschiede zwischen natürlichen Zähnen und Implantaten
Die meisten Implantate werden in den Knochen gesetzt und sollen dort einwachsen. Wenn alles gut läuft, stehen Implantat und Knochen in direktem Kontakt miteinander. Tritt jedoch während der Genesungsperiode eine Entzündung auf, kann es passieren, dass weiches Bindegewebe zwischen Implantat und Knochen wächst. Das Implantat sitzt dann nicht fest. Ein gut eingeheiltes Implantat sitzt aber absolut unbeweglich fest im Knochen. Das ist einer der wichtigsten Unterschiede zu einem natürlichen Zahn.

Ein gut eingeheiltes Implantat ist fest mit dem Knochen verbundenEin Zahn hat keinen direkten Kontakt mit dem Knochen. Zwischen Knochen und Zahnwurzel befindet sich ein ganz spezielles Gewebe (Periodont oder Parodont), bestehend aus Fasern, die an der einen Seite am Knochen, an der anderen Seite am Zahn befestigt sind. Der Zahn ist an diesen Fasern quasi im Knochen aufgehängt. Wird Druck auf den Zahn ausgeübt, zum Beispiel beim Kauen, dann wird er ein kleines Stück in seine Alveole gedrückt. Diese Druckkräfte werden durch die Faseraufhängung in Zugkräfte auf den Knochen umgewandelt. Der Knochen kann diese Zugkräfte besser vertragen als Druckkräfte.

Unter Belastung treten an Implantaten (z.B. beim Essen) ebenfalls Druckkräfte auf, die jedoch durch den fehlenden Faserapparat auch als Druck an den Knochen weitergegeben werden. Zuviel Druck verursacht aber Resorption (Abbau) des Knochens.

Zu große Kräfte müssen also vermieden werden.

Eine weitere Folge des fehlenden Parodonts ist die mangelnde Kontrolle über die beim Kauen ausgeübten Kräfte.
Das Parodont eines natürlichen Zahnes schmerzt, wenn wir die Zähne zu kräftig zusammenbeißen und übt dadurch eine Warnfunktion aus. Da dieser Mechanismus bei Implantaten fehlt, kann mit Implantaten viel fester zugebissen werden, bevor Schmerzen auftreten. Es ist daher denkbar, dass eine Überbelastung durch zu starkes Zubeißen eintritt, ohne dass der Patient davon etwas merkt.
Einen wichtigen Unterschied zwischen Implantat und Zahn stellt auch die Verbindung zu dem das Implantat umgebenden Zahnfleisch dar. Eine echte Verbindung zwischen Zahnfleisch und Implantat, die einen so dichten Abschluss darstellt, wie das beim natürlichen Zahn der Fall ist, konnte bis heute noch nicht in ausreichendem Maße erzielt werden.

Zähne sind über Fasern am Knochen befestigt. Implantate sitzen unmittelbar am Knochen festDas Zahnfleisch ist sehr anfällig für Entzündungen. Das Sauberhalten von Implantaten ist daher noch wichtiger als bei eigenen Zähnen, ansonsten besteht die Gefahr, dass die Entzündung auf den Knochen übergreift.

Jedes Implantatsystem hat bestimmte Merkmale und seine eigenen Vor- und Nachteile. Welches System in welcher Situation das beste ist, kann nicht immer eindeutig entschieden werden. In einem eingehenden Gespräch mit dem behandelnden Zahnarzt muss die individuell richtige Wahl getroffen werden. Oft sind auch mehrere Systeme gleich gut brauchbar. Allen ist jedoch gemeinsam, dass sie, um dauerhaften Erfolg zu gewährleisten, perfekt sauber gehalten werden müssen.

  • Ein gesundes Implantat sitzt direkt am Knochen fest. Das ist der wichtigste Unterschied zu natürlichen Zähnen, die durch Fasern im Knochen aufgehängt sind.

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