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Zahnimplantate Essen

Der Beginn der Behandlung

In den vorangegangenen Kapiteln haben wir gesehen, welche Folgen der Verlust der eigenen Zähne hat und welche Probleme daraus entstehen können. Möglichkeiten der Behandlung und einige wichtige allgemeine Dinge im Zusammenhang mit Implantaten sind angesprochen worden. Fragen, die sich nun stellen, sind:

  • Bei wem können Implantate zur Anwendung kommen;
  • was darf man davon erwarten und was nicht;
  • welche Risiken sind mit Implantaten verbunden;
  • welche Voraussetzungen muss der Patient mitbringen?

Wer kann Implantate bekommen?
Ob Implantate als alternative Therapiemöglichkeit in Frage kommen, hängt im wesentlichen von drei Punkten ab:

  • Welche technischen Möglichkeiten haben wir bei diesem Patienten;
  • wie sieht der allgemeine Gesundheitszustand des Patienten aus;
  • wie sieht es mit der Bereitschaft des Patienten zur Mitarbeit aus?

Ob Implantate wirklich zum Einsatz kommen können, hängt in erster Linie von den anatomischen Gegebenheiten ab, die wir im Mund des Patienten vorfinden. Um ein Implantat setzen zu können, ist ein geeignetes Knochenfundament nötig. Die kleinsten Implantate sind etwa acht Millimeter lang und drei Millimeter dick. Die meisten Implantate sind allerdings länger und meistens auch dicker. Wenn der Knochen eine zu geringe Höhe für einen bestimmten Implantattyp aufweist, muss nach einem anderen, passenden Implantatsystem Ausschau gehalten oder sogar von einer Implantation Abstand genommen werden. Wir werden im Folgenden kurz auf die unterschiedliche Problematik beim Implantieren in den verschiedenen Kieferregionen eingehen.

Die größten Schwierigkeiten ergeben sich ganz hinten im Mund. Meist gehen die hinteren Backenzähne als erste verloren, und der Kiefer verliert hier zuerst an Höhe. Genau dort verläuft aber auch ein Nerv durch den Unterkiefer, der für das Gefühl in Unterlippe und Zähnen sorgt. Wird dieser Nerv beschädigt, führt das zu einem tauben Gefühl in der Unterlippe wie bei einer Betäubung. Das ist zwar nicht gefährlich, muss aber natürlich trotzdem vermieden werden. Befindet sich nicht genug Knochensubstanz oberhalb dieses Nervs, so kann in dieser Region nicht implantiert werden. In seltenen Fällen wird versucht, den Nerv zu verlegen. Dieser Eingriff sollte jedoch Spezialisten vorbehalten bleiben und birgt das Risiko einer Beschädigung des Nervs in sich.

In der Unterkieferfront verlaufen keine Nerven. Die Front ist massiver Knochen und damit beinahe ein ideales Fundament für Implantate. Kleine scharfe Ränder können vom Operateur während des Implantierens einfach beseitigt werden. Nur sehr hohe, insgesamt dünne, scharfe Kiefer stellen ein Problem dar. Da sie so schmal sind, muss oft sehr viel Knochen abgetragen werden, bevor man in ein Gebiet von ausreichender Breite kommt, was nicht immer günstig ist. Es kann in solchen Fällen besser sein abzuwarten, bis der Kiefer von selbst flacher und runder geworden ist.

Auffüllen der Kieferhöhle, um ausreichend Platz für ein Implantat zu schaffen.Auch im Oberkiefer können wir auf eine Reihe technischer Probleme stoßen, hier befindet sich zwar kein Nerv, wohl aber die Kieferhöhle. Der Knochen zwischen Mund- und Kieferhöhle ist oft nicht mehr als ein bis zwei Millimeter dick, also deutlich zu dünn für ein Implantat. Weiterhin ist im Oberkiefer der Knochen durch Resorptionsvorgänge vor allem in der Front eine schmal, um eine Implantation zu erlauben. Es gibt zwar Möglichkeiten, die Kieferhöhle höher zu legen und den Knochen zu verbreitern; es handelt sich dabei jedoch um ziemlich große Eingriffe, und man sollte sich im vorhinein gut überlegen, ob sie wirklich nötig sind. Sie können nur unter Vollnarkose vorgenommen werden, wobei zum Beispiel Knochen aus der Hüfte entnommen und in den Kiefer verpflanzt wird. Es wird zwar auch Gebrauch gemacht von gefriergetrocknetem Knochen oder Knochenersatzmaterialien wie zum Beispiel Hydroxilapatit, aber eigener Hüftknochen ist noch immer das am besten geeignete Material. Mit Hilfe dieser Techniken kann der Oralchirurg ein optimales Fundament zur Implantation schaffen. Abhängig von der angewendeten Methode können die Implantate dann entweder gleich anschließend an den Knochenaufbau oder nach ein paar Monaten gesetzt werden. Zur Einheilung haben sie etwa sechs bis acht Wochen nötig.

Wenn von Anfang an genug Knochen vorhanden ist, kann aus technischer Sicht im Prinzip sofort implantiert werden.
Glücklicherweise können wir im Oberkiefer auch ohne Implantate in den meisten Fällen eine gut funktionierende Prothese anfertigen. Nur bei einer kleinen Gruppe von Patienten ist das nicht möglich. Dazu gehören zum Beispiel Patienten mit extremem Würgereiz, der durch die Gaumenplatte der Oberkieferprothese ausgelöst wird. Auch für Patienten, die eine Operation am Oberkiefer hinter sich haben, durch die der Oberkiefer eine Form bekommen hat, die für eine gute Prothese ungünstig ist, stellen Implantate eine Lösungsmöglichkeit dar.

Auf Dauer kann der Kiefer so dünn werden, dass Implantate nicht mehr möglich sind.Implantieren im stark resorbierten Kiefer ist fast immer möglich, von seltenen Ausnahmen einmal abgesehen, wo der Kiefer so niedrig geworden ist, dass selbst für die allerkleinsten Implantate kein Platz ist.

Aus dem vorher Gesagten können wir zusammenfassend feststellen, dass Implantate möglich sind:

  • im vorderen Teil der zahnlosen Unterkiefer
  • in allen anderen Fällen falls ausreichend Knochen zum Implantieren zu Verfügung steht.

Der zahnlose Unterkiefer ist die häufigste Indikation für Implantate und bietet glücklicherweise auch die besten Möglichkeiten für erfolgreiches Implantieren.

Neben den technischen Voraussetzungen spielt die Gesundheit des Patienten für den Erfolg eine sehr wichtige Rolle. Kleine gesundheitliche Abweichungen stellen kein Hindernis für das Implantieren dar. Andererseits kann es aber sein, dass eine in den Augen des Patienten geringe Abweichung im Zusammenhang mit Implantaten schwerwiegend sein kann. Nur der Zahnarzt oder Oralchirurg kann beurteilen, ob die Einnahme bestimmter Medikamente oder gewisse Vorerkrankungen im Zusammenhang mit Implantaten zu Problemen führen können. Es ist daher von großer Wichtigkeit, dass Sie den behandelnden Zahnarzt oder Kieferchirurgen vor der Behandlung über alle Krankheiten und vor allem auch den Gebrauch von Medikamenten informieren.

Schließlich und endlich kann eine Behandlung mit Implantaten auf lange Sicht nur Erfolg haben, wenn der Patient selbst aktiv mitarbeitet. Der Zahnarzt kann die Behandlung noch so gut durchführen, ohne die Mithilfe des Patienten ist sie zum Scheitern verurteilt. Patienten, die ihre Implantate nicht jeden Tag gut säubern und nicht zu den halbjährlichen Kontrollen erscheinen, werden an ihren Implantaten nicht lange Freude haben. Ist sich der Zahnarzt des guten Willens seines Patienten und seiner Bereitschaft zur aktiven Mitarbeit nicht absolut sicher, wird er darum auch keine Implantate vorschlagen.

  • Um den Erfolg von Implantaten zu gewährleisten, ist die Mitarbeit des Patienten sehr wichtig.
  • Der Zahnarzt sollte immer über Medizingebrauch informiert werden

Was dürfen wir von Implantaten erwarten?
Implantate geben vor allem das Gefühl von Sicherheit, da der Halt von Zahnersatz entscheidend verbessert werden kann. So kann zum Beispiel eine lose Teilprothese durch eine feste Brücke ersetzt oder durch ein Implantat zusätzlich unterstützt werden.
Eine Totalprothese kann durch eine Brücke ersetzt oder, wie meistens, an den Implantaten festgemacht werden, wodurch sich die Prothese nicht mehr bei jeder Bewegung (Kauen, Schlucken, Sprechen, Lachen, etc.) abhebt.
Implantate können aber nicht das sogenannte Fremdkörpergefühl, also das Gefühl, etwas Fremdes im Mund zu haben, nehmen. Auch den Ärger über die Tatsache, dass Zähne verloren gegangen sind, können Implantate nicht beseitigen. Die Prothese bleibt eine Prothese - sie bleibt ein Ersatz.

IMPLANTATE SIND KEINE BESSERE ALTERNATIVE ZU EIGENEN ZÄHNEN.
DAS NATÜRLICHE GEBISS IST IMMER NOCH DAS BESTE

Implantate können einer Totalprothese Halt gebenEs ist also nicht so, dass wir jetzt nach Lust und Laune Zähne ziehen können, um sie durch "bessere" Implantate zu ersetzen. Implantate sind zwar in bestimmten Situationen ein akzeptable Lösung und können vielen Patienten helfen, aber eines können sie sicherlich nicht: Sie können keine Probleme lösen, an denen die Zähne nicht schuld sind (wie zum Beispiel Ärger in der Ehe, Unzufriedenheit im Job etc.), Probleme also, die zwar häufig auf die Zähne projiziert werden, deren eigentliche Ursache aber ganz woanders liegt.

  • Implantate können bei zahnmedizinisch-technischer Problemen, die sich nach Zahnverlust ergeben, helfen (zum Beispiel den Halt einer Prothese verbessern).
  • Die eigenen Zähne zu erhalten ist aber, sofern möglich, die bessere Alternative.

Welche Voraussetzungen muss ein Patient mitbringen, der Implantate haben möchte?
Zunächst einmal muss ein Patient, der für Implantate in Frage kommt, einen guten allgemeinen Gesundheitszustand aufweisen. Krankheiten oder Therapien, die mit einer Verminderung der Abwehrkräfte des Körpers einhergehen oder eine verschlechterte Wundheilung zur Folge haben, müssen, ebenso wie alle anderen Beeinträchtigungen der Gesundheit, dem behandelnden Zahnarzt mitgeteilt werden. Dazu gehören unter anderem Zuckerkrankheit, Bestrahlungen und der Gebrauch von Kortikosteroiden (u.a. Cortison). Das Einbringen von Implantaten in einen kranken oder abwehrgeschwächten Körper kann nämlich sonst zu unvorhergesehenen Komplikationen führen. Nur der Zahnarzt kann letztendlich entscheiden ob der Gesundheitszustand eine Implantation erlaubt. Viele Krankheiten, wie zum Beispiel kleinere Unregelmäßigkeiten im Herz-Kreislaufsystem, schließen aber eine Implantation sicher nicht aus, sofern der Zahnarzt darüber informiert wird und sich entsprechend darauf einstellen kann.
Auch ein hohes Lebensalter stellt bei guter Gesundheit keine Kontraindikation (keinen Hinderungsgrund) für Implantate dar.

Eine der wichtigsten Voraussetzungen für den Einsatz von Implantaten ist eine gute bis perfekte Mundhygiene.

Vor allem ältere Patienten, die schon sehr lange zahnlos sind, machen sich oft nicht klar, wie viel Aufwand es bedeutet, Implantate gut sauber zuhalten. Sie erfordern mindestens ebenso viel, wenn nicht mehr Pflege als eigene Zähne. Und doch ist gerade die Mundhygiene von außerordentlicher Wichtigkeit für die Lebensdauer der Implantate und für den Zustand des die Implantate umgebenden Zahnfleisches und Kiefers. Sofern der Zahnarzt an der Bereitschaft des Patienten zu aktiver Mitarbeit in Form von gutem Putzen und regelmäßigem Erscheinen zu den angeordneten Kontrolluntersuchungen Zweifel hegt, wird er den Wunsch nach Implantaten abschlagen müssen. Wir dürfen nämlich niemals vergessen, dass Implantate Dinge sind, die eigentlich nicht in den Mund gehören. Nur der Toleranz unseres Körpers ist es zu verdanken, dass sie nicht als Fremdkörper abgestoßen werden. Wir dürfen diese Toleranz aber nicht noch zusätzlich durch schlechte Mundhygiene überstrapazieren. Sonst besteht die Gefahr, dass der Körper darauf mit einer Entzündung reagiert, was zur Folge haben kann, dass das Implantat wieder entfernt werden muss, vor allem dann, wenn auch der Kieferknochen bereits in Mitleidenschaft gezogen ist.
Implantate können nicht als einfache Alternative zu einer Brücke oder Prothese eingesetzt werden, nach dem Motto: Zähne raus - Implantate rein. Vielmehr müssen die Konsequenzen, die ein Implantat mit sich bringt, von vorne herein gut bedacht werden.

  • Ein Patient, der den Wunsch nach Implantaten hegt, muss bei guter Gesundheit sein, regelmäßig zu Kontrolluntersuchungen kommen können und vor allem willens und in der Lage sein, eine perfekte Mundhygiene zu betreiben.

Implantate bei Kindern
Implantate leben im Gegensatz zu natürlichen Zähnen nicht und wachsen nicht mit dem Kiefer. Kinder wachsen ungefähr bis zum dreizehnten bis fünfzehnten Lebensjahr. Sie wachsen aber nicht nur in die Länge, sondern auch die Dimensionen des Schädels und der Kiefer verändern sich sehr stark. Das Milchgebiss kommt, die Kiefer wachsen, die bleibenden Zähne brechen durch, und die Kiefer wachsen weiter, wobei sich die Zähne im Kiefer mit bewegen. Diese Vorgänge können nur mit natürlichen Zähnen ungestört ablaufen. Verliert ein Kind zum Beispiel mit acht Jahren einen Schneidezahn und würde dieser Zahn sofort durch ein Implantat ersetzt werden, was naheliegend ist, so könnte, da das Implantat sich nicht im Kiefer mit bewegen kann, das Wachstum und die gesamte Entwicklung des Kiefers empfindlich gestört werden. Daher sollte ein Implantat erst erwogen werden, wenn das Kind ausgewachsen ist, das heißt dem zweiten Wachstumsspurt mit etwa dreizehn bis fünfzehn Jahren.

  • Bei Kindern sollte vor dem 13. -15. Lebensjahr (bevor sie ausgewachsen sind) nicht implantiert werden.

Selbst bei Verlust eines Implantates hält sich der Schaden für den Kiefer in GrenzenWelche Risiken sind mit Implantaten verbunden?
Zum Glück sind mit modernen Implantaten nur noch wenige Risiken verbunden (bei richtigem Gebrauch, versteht sich). Während der Operation besteht die Gefahr, dass etwas im Kiefer beschädigt wird, zum Beispiel der Nerv im Unterkiefer, was teilweise oder vollständige Gefühllosigkeit der Unterlippe zur Folge hätte. Im Oberkiefer könnte zum Beispiel die Kieferhöhle während des Bohrens eröffnet werden, was Anlass zu einer Kieferhöhlenentzündung geben kann.
Dem kann allerdings durch prophylaktische Maßnahmen entgegengewirkt werden, da der Operateur das Eröffnen der Kieferhöhle sofort bemerken und dann entsprechende Schritte einleiten würde.
Ein erfahrener Behandler wird aber bei seiner Planung ausreichende Sicherheitsabstände zu kritischen Gebieten einhalten, um Komplikationen von vornherein zu vermeiden. In den Händen eines erfahrenen Zahnarztes sind die mit einer Implantation verbundenen Risiken somit auch gering.
Mehr als 95% der Implantate heilen ohne Probleme ein. Nur wenige Implantate gehen während der Einheilungsphase verloren. Wenn ein Implantat entfernt werden muss, bleibt ein kleines Loch im Kiefer zurück, ähnlich wie nach dem Zahnziehen, das dann auch ebenso wieder verheilt und zuwächst.

  • Bei einer gut geplanten und gut durchgeführten Behandlung sind die Risiken gering. Individuelle Risiken wird der Zahnarzt beziehungsweise Kieferchirurg, sofern vorhanden, mit dem Patienten gesondert besprechen.

 

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